Jobguide CHEMIE_PHARMA_BIOTECH_d818

Chemie_Pharma_Biotech Company gab an, nach qualifizierten Arbeitskräften mit mehrjähriger Berufser- fahrung zu suchen. In einigen Spezialgebieten werde diese Nachfrage künftig be- sonders ausgeprägt ausfallen – zum Beispiel in der Toxikologie, der Elektrochemie, der Makromolekularen Chemie, in den Material- wissenschaften und in der Grenzflächenchemie und -physik, pro- gnostiziert Gerd Romanowski, Geschäftsführer Wissenschaft, Tech- nik und Umwelt beim VCI. „Die dynamische Entwicklung in den Grenzflächenwissenschaften spiegelt den wachsenden Bedarf in der Nanotechnologie wider, einemTechnologiefeld, in dem die deutschen Chemieunternehmen weltweit eine führende Rolle spielen.“ Jobchan- cen entstehen auch durch den demografischen Wandel: In der ost- deutschen Chemie gehen zwei Drittel der Beschäftigten im nächsten Jahrzehnt in den Ruhestand. Neue Möglichkeiten für Märkte und Jobs ergeben sich aber vor allem durch die großen Herausforderungen unserer Zeit: den Klima- wandel, die Nutzung regenerativer Energien sowie Nahrung und Ge- sundheit für eine wachsende Weltbevölkerung. Ein großes Thema ist auch, dass in drei bis vier Jahrzehnten die Erdölreserven zu Ende gehen und die Chemie eine neue Rohstoffbasis braucht. Die will sie sich erschließen durch die stoffliche Nutzung von Biomasse in Bioraffinerien. Diese sollen Ethylen, Propylen, Ben- zol, Toluol und Xylole produzieren – Basischemikalien, auf denen die gesamte organische Chemie aufbaut – und überdies noch Faserwerk- stoffe, Futtermittel, Kraftstoffe und grünen Strom liefern. Derzeit treiben weltweit Forscher aus der Chemie und dem Anlagenbau das Thema und erste Pilotanlagen voran. Dass sich der Einstieg in die Branche finanziell lohnt, zeigt ein Blick in die Gehaltslisten: Über alle Hierarchieebenen, Fachressorts und Qualifikationsstufen hinweg liegen die Verdienstmöglichkeiten in der Branche laut VCI mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von knapp 58.000 Euro brutto um fast ein Viertel höher als der Durch- schnittsverdienst im verarbeitenden Gewerbe. Nur ein Beispiel: Im Vergleich zu ihren Fachkollegen in anderen Branchen zählen Ingeni- eure der Chemie- und Pharmaindustrie mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 76.000 Euro zu den absoluten Spitzenverdienern. Ihre Gehälter liegen im Schnitt um 10.000 Euro höher als die von Ingenieuren in der Fahrzeugindustrie und sogar 25.000 Euro höher als die Gehälter ihrer Kollegen, die im Baugewerbe oder in Büro- und Planungsbüros tätig sind. Da die chemisch-pharmazeutische Industrie in Deutschland stark exportorientiert ist, hängt ihre Entwicklung stark vom Zustand der Weltwirtschaft ab. Im Frühjahr 2017 konnten selbst Branchenexper- ten noch nicht absehen, wie sich der Brexit, die Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der USA, die weltweiten Tendenzen zum Protekti- onismus und der drohende Rechtsruck in gestandenen Demokratien Europas kurz-, mittel- und langfristig auf die deutsche Chemie- und Pharmabranche auswirken werden. Der Branchenverband prognos- Mit Patientendaten ist es so ähnlich wie mit den handschriftlich ausgefüllten Rezepten der Hausärzte: Sie sind kaum lesbar. Die Me- dikamentenverschreibung kann der erfahrene Apotheker auswerten, Software-Werkzeuge helfen, in riesigen Datenmengen unterschied- lichster Herkunft bislang unbekannte Muster zu erkennen. Muster, die zum Beispiel erklären können, warum ein Patient besser auf ein Krebsmedikament anspricht als ein anderer. „Die Behandlung von Patienten ist so komplex geworden, dass Entscheidungen über Be- handlungsmethoden künftig von Software unterstützt werden“, prognostiziert Stefan Oschmann. Der Chef des deutschen Pharma- und Chemiegiganten Merck hat mit dem amerikanischen Start-up- Unternehmen Palantir einen über mehrere Jahre angelegten Vertrag abgeschlossen. Der Spezialist für Big-Data-Analysen aus Palo Alto soll sämtliche Merck-Informationen wie Patienten-Daten und wis- senschaftliche Forschungsergebnisse durchforsten, um neue Medika- mente und Therapiemethoden zu entdecken. Big Data und Industrie 4.0 sind in der Chemie-, Pharma- und Biotechbranche angekommen. Die rund 2.000 vorwiegend mittel- ständisch geprägten Unternehmen der chemisch-pharmazeutischen Industrie investieren so viel Geld wie noch nie in Forschung und Ent- wicklung. Im Jahr 2016 gaben die deutschen Chemie- und Pharmaun- ternehmen dafür rund 10,5 Milliarden Euro aus, vier Prozent mehr als im Vorjahr und absoluter Rekord in der Branchengeschichte. „Die Ausgangslage für die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie ist damit gut“, urteilt Thomas Wessel, Leiter des Ausschusses für For- schung, Wissenschaft und Bildung im Verband Chemische Industrie (VCI) und Chef des Essener Spezialchemie-Konzerns Evonik. Schließlich ist gerade die Chemiebranche Innovationstreiber für andere Industrien. Mit ihren rund 446.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von knapp 183 Milliarden Euro ist die Chemie- und Pharma- Industrie die drittgrößte Branche in Deutschland und damit einer der wichtigsten Wirtschaftszweige. Ihre Produkte finden sich in allen Lebensbereichen, von Kosmetika über Hustensaft, Textilfasern und Klebstoffe bis hin zum Düngemitteln. Nur jedes fünfte Chemiepro- dukt landet tatsächlich beim Endkunden. 75 Prozent werden von an- deren Industrien im In- und Ausland weiterverarbeitet, allen voran von der Kunststoffverarbeitenden Industrie, der Auto-, der Verpa- ckungs- und der Bauwirtschaft. Die wichtigsten Märkte für die Branche finden sich daher auch jenseits der deutschen Grenzen. Wer daher in die chemisch-phar- mazeutische Industrie strebt, kann durchaus auf eine internationale Karriere abheben. Fast 90 Prozent des Umsatzes erzielen die Unter- nehmen im Export. Der wichtigste Markt für sie ist Europa, gefolgt von Nordamerika und Asien. Mit einem entscheidenden Unterschied: Den europäischen Markt erschließt sich die Branche über den Ex- port, in den USA und Fernost produzieren deutsche Chemie- und Pharmaunternehmen viel vor Ort. 2014 waren in ihren 1.500 auslän- dischen Tochterbetrieben etwas mehr als 400.000 Mitarbeiter tätig, die jenseits der deutschen Grenzen Chemikalien im Wert von etwa 206 Milliarden Euro produzierten. Ihre vielen internationalen Standbeine bescheren den deutschen Chemie- und Pharmaunternehmen gute Zukunftsaussichten – auch langfristig. Bis zum Jahr 2030 soll laut VCI das jährliche Umsatzplus rund 1,5 Prozent pro Jahr betragen. Auch künftig werden der deut- sche und der europäische Markt mit Basischemikalien aus deutscher Produktion beliefert. Ein Grund ist das intensive Forschungsengage- ment. 2030 sollen sich die Investitionen in Innovationen auf dann 16,5 Milliarden Euro belaufen. Die Zeichen stehen auf Wachstum und so verhilft der Fachkräf- temangel und ein durch die digitale Transformation hervorgerufener Beschäftigungsschub den Einsteigern in der Chemie- und Pharmain- dustrie zu einem guten Entree. Bei einer Umfrage unter 4.000 mittel- ständischen Unternehmen fand die Commerzbank im Herbst 2016 heraus, dass in Chemie und Pharma ein hoher Bedarf an gut ausge- bildetem Personal herrscht. Gesucht sind Pharmazeuten, Mediziner Chemiker, Verfahrenstechniker, Chemieingenieure, Biotechnologen, Gesundheitsökonomen und Spezialisten aus der Elektrochemie, aber auch Informatiker, Mathematiker und Kaufleute. Vor allem die Nachfrage nach Hochschulabsolventen fiel um vier Prozent höher aus als im Vergleich zum gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt. Aber auch 71 Prozent der insgesamt 1.400 von der Commerzbank befragten chemisch-pharmazeutischen Unternehmen Foto: Franz Pfluegl/Fotolia Eine Branche im Innovationsfieber Die Chemie- und Pharmabranche sind zusammen die drittgrößte Industrie in Deutsch- land. Sie investieren Rekordsummen in Neuentwicklungen. Daher haben auch 2017 Akademiker wieder gute Job- und Verdienstchancen. Da die Branche jedoch sehr exportorientiert ist, ist sie besonders abhängig von politischen Umbrüchen in wichtigen Märkten und der Entwicklung der Weltwirtschaft.

RkJQdWJsaXNoZXIy NTYxMjE=